Migranten sind bei den Plätzlern willkommen
Die Arbeit ist nicht weniger geworden; schließlich müssen alle Neuangekommenen mit Sprachkursen, Schul- und Kindergartenplätzen, Wohnungen und Arbeit versorgt werden. Dennoch habe ich die Frage immer mit "Ja" beantwortet. Die Hektik, die den Arbeitsalltag seit August 2015 geprägt hat, ist Dank dem schnellen Aufbau geeigneter Strukturen einem konzentrierteren Arbeiten gewichen. Neu ist auch eine große Neugier auf die Zugewanderten. Ebenso erleben wir bei den Migranten viel Offenheit und der Wille zum Verstehen, wie das Leben in Weingarten funktioniert.

Als Bespiel einer der vielen Begegnungen sei ein Besuch im Plätzlermuseum beschrieben. 20 Muslime, die sich schon seit längerem für die Integrationsarbeit engagieren, folgten der Einladung von Zunftarchivar Andreas Reutter und seinem Team. Groß und klein kamen zunächst sehr vorsichtig und in der Überzeugung, dass diese Tradition gewiss nur von Ur-Weingärtnern gelebt werden kann. Durch den hervorragenden Vortrag von Herrn Reutter gelang es jedoch schnell, Gemeinsamkeiten zu finden. Sei es nun durch die Parallele der katholischen Feste um die Fastenzeit mit dem Ramadan und seinem Zuckerfest oder durch das Anlegen besonders liebevoll hergestellter Festkleidung wie die bestickten Häser der Schlösslenarren. Nach einer Stunde Führung waren anschließend bei Kaffee/Tee und Berlinern in der Zunftstube alle Berührungsängste abgebaut, die Masken ausprobiert und viele, auch ungewöhnliche, Fragen besprochen, Dankbar für die offene und warmherzige Begegnung verabschiedete sich die Gruppe mit folgenden Worten: "Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für uns genommen haben. Wir hätten nie gedacht, dass wir sogar bei den Plätzlern willkommen sind."
Text: Christine Bürger-Steinhauser (Stadt Weingarten)