Aktiv beim Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende 2026

Am 21. Juli organisierte der Arbeitskreis Drogen anlässlich des internationalen Gedenktags für verstorbene Drogengebrauchende in Ravensburg verschiedene Aktionen. Wichtig war uns, an die Menschen zu erinnern, die im Zusammenhang mit Drogenkonsum verstorben sind, auf die Lebensrealität von Drogengebrauchenden aufmerksam zu machen und über Hilfsangebote und Präventionsmöglichkeiten zu informieren.
Im vergangenen Jahr starben bundesweit 2.150 Menschen infolge des Konsums illegaler Drogen. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, Angehörigen und Freundschaften. Dem regionalen Suchthilfenetzwerk wurden im vergangenen Jahr rund 17 Todesfälle von Drogengebrauchenden im Landkreis Ravensburg bekannt. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da von einer Dunkelziffer auszugehen ist.
Der Gedenktag wurde 1998 von der Mutter eines an den Folgen seines Drogenkonsums verstorbenen jungen Mannes aus Gladbeck ins Leben gerufen und findet seitdem jährlich bundesweit statt. Das diesjährige Motto "Verändern, um Leben zu retten" macht deutlich, dass viele drogenbedingte Todesfälle vermeidbar wären - durch einen niedrigschwelligen Zugang zu Hilfsangeboten, wirksame Präventionsmaßnahmen, Schadensminimierung und einen offenen, stigmafreien Umgang mit Suchterkrankungen.
Sichtbares Zeichen auf dem Marienplatz und dem Ankerplatz
Vormittags waren wir vom Netzwerk mit einem gemeinsamen Aktionsstand auf dem Marienplatz. Hanna Steindreischer
In Ravensburg beteiligten sich die Arkade Streetwork, der DORNAHOF Württemberger Hof, das ZfP Südwürttemberg mit der Anode und dem Kontaktladen, die Suchthilfen der Caritas-Region Bodensee-Oberschwaben und das Landratsamt Ravensburg. Gemeinsam organisierte der Arbeitskreis Drogen aus dem regionalen Suchthilfenetzwerk sowohl einen Infostand auf dem Marienplatz als auch eine anschließende Gedenkfeier am Ankerplatz, der im letzten Jahr als Begegnungs- und Rückzugsort für Obdachlose und Menschen mit Suchterkrankungen in der Nähe des Ravensburger Bahnhofs eingerichtet wurde.
Am Vormittag konnten sich Passantinnen und Passanten am Infostand in der Ravensburger Innenstadt über die Angebote des lokalen Suchthilfenetzwerks informieren. Informationsmaterialien zu verschiedenen Substanzen, Safer-Use-Praktiken sowie Beratungs- und Unterstützungsangeboten luden zum Austausch ein und stießen auf großes Interesse.
Am Nachmittag stand das gemeinsame Gedenken im Mittelpunkt. Bei einer offenen Gedenkfeier am Ankerplatz waren Betroffene, Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Interessierte eingeladen, gemeinsam innezuhalten und der Verstorbenen zu gedenken. Für alle Besucherinnen und Besucher wurden kostenlos Speisen und Getränke angeboten, wodurch eine offene und einladende Atmosphäre entstand.
Magnete als Erinnerungszeichen

Ein besonderer Bestandteil der Gedenkfeier war die Gestaltung bunter Magnete. Freunde, Bekannte und Familienangehörige haben die Magnete individuell verziert und anschließend als persönliches Erinnerungszeichen an dem aufgestellten Container angebracht. So entstand im Laufe des Nachmittags ein farbenfroher Ort des Gedenkens, der die Verbundenheit mit den Verstorbenen sichtbar machte und Raum für Erinnerungen und Gespräche bot.
Die Veranstaltung wurde von zahlreichen Menschen besucht und sehr positiv angenommen. Sie bot nicht nur Gelegenheit zum gemeinsamen Erinnern, sondern setzte zugleich ein sichtbares Zeichen gegen die Stigmatisierung von Drogengebrauchenden und für mehr Menschlichkeit, Solidarität und einen offenen Umgang mit Suchterkrankungen. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos "Verändern, um Leben zu retten" wurde deutlich, dass Erinnerung und Aufklärung untrennbar zusammengehören: Jeder verhinderte Todesfall bedeutet ein gerettetes Leben und eine Perspektive für die Betroffenen und ihre Angehörigen.