Aktuell

Langenargen

Mangelware Wohnraum: Offensive gestartet

Gruppenbild„Herein“: Ewald Kohler von der Caritas (vorne links) und Bürgermeister Achim Krafft (vorne rechts) besiegeln mit ihrer Unterschrift, dass sie gemeinsam daran arbeiten wollen, sozial schwachen Menschen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. Unterstützung erhalten sie von Projektleiter Christian Mayer (hinten rechts), Lea Kopittke, zuständig für den Bodenseekreis, und Langenargens Hauptamtsleiter Klaus-Peter-Bitzer.Schwäbische Zeitung (poi)

Der Plan: Eigentümer davon zu überzeugen, an einkommensschwache Menschen zu vermieten, die auf dem äußerst angestrengten Wohnungsmarkt besonders schlechte Karten haben. Das ist jetzt in einem Vertrag festgehalten.

"Die Entwicklung bereitet uns große Sorgen", betont Ewald Kohler, Regionalleiter der Caritas Bodensee-Oberschwaben. Die Versorgung mit Wohnungen sei in ein Ungleichgewicht geraten, ganz normale Menschen bis rein in die Mittelschicht fänden keine Wohnungen mehr. Ein Problem, das auch in Langenargen, in Sachen Mietpreise die teuerste Gemeinde im Bodenseekreis, "unglaublich groß" ist, wie Bürgermeister Achim Krafft berichtet. Die Folge: Der Vertreter der sozialen Hilfsorganisation der katholischen Kirche und der Rathauschef haben am Dienstag eine Vereinbarung unterzeichnet.

Die Caritas-Wohnraumoffensive "herein" ist wie berichtet im Mai schon im Langenargener Gemeinderat vorgestellt worden, der beschlossen hat, das Projekt finanziell und ideell zu unterstützen. Ziel ist es, Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen zu gewinnen. Die Caritas garantiere dabei die Auswahl zuverlässiger Mieter und tritt Ewald Kohler zufolge "selbst als Mieter auf, um Schwellenängste zu nehmen". Die Vorgehensweise: Die Hilfsorganisation führt Gespräche mit Eigentümern, warum ihre Immobilie, ihr Wohnraum nicht auf dem Markt ist. Die Aufgabe dabei: den Wohnungsanbieter, der eventuell schlechte Erfahrungen mit Mietern gemacht hat oder den Platz für die eigenen Kinder vorhält, mit Familien, Alleinstehenden, Alleinerziehenden, Geflüchteten, aber auch Einheimischen zusammenzubringen, die Hartz IV oder Sozialhilfe empfangen.

Mieter passt zu Vermieter

"Als Vermittler wollen wir die sehr unterschiedlichen Gruppen annähern, Vertrauen schaffen und keinen Gewinn machen", erklärt "herein"-Projektleiter Christian Mayer. Und Lea Kopittke, Ansprechpartnerin im Bodenseekreis, ergänzt: "Wir bieten ein Paket an, sind Ansprechpartner für Vermieter sowie Mieter und schauen ganz genau, wer zu wem passt." Finanziert wird das Projekt aus Mitteln der Diözese Rottenburg und der Deutschen Klassenlotterie.

Aber auch die teilnehmenden Kommunen sind finanziell gefragt, übernehmen 450 Euro pro Jahr pro Wohnung an Verwaltungskosten und 1200 Euro jährlich an Rücklagen, die bei Mietausfällen abgerufen werden oder wenn Renovierungen anstehen. Wird das Geld nicht gebraucht, fließt es nach zwei Jahren zurück. In Langenargen stehen auf der sehr optimistischen Rechnung zehn Wohnungen, macht 16 500 Euro im Jahr. Sollten mehr Mietverträge zustande kommen, beschäftigt sich der Gemeinderat erneut mit dem Projekt "herein", das im Mai 2017 an den Start gegangen ist. In Friedrichshafen, Aulendorf, Weingarten, Ravensburg und Tettnang ist die Organisation mit ihrer Wohnraumoffensive bereits aktiv und hat insgesamt 20 Wohnungen an Mann/Frau/Familie gebracht.

"Die Caritas ist ein Partner mit sehr hoher Glaubwürdigkeit und das Projekt ,herein’ ein sehr wichtiger Mosaikstein", versichert Bürgermeister Krafft. Seine Hoffnung: die Öffentlichkeit aufzurütteln. Oder um es mit Regionalleiter Ewald Kohler zu sagen: "Wir appellieren an die soziale Verantwortung."

Artikelveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Schwäbischen Zeitung.