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Stand: 13.12.2018

Pressemitteilung

Schifra Netzwerk

Kinder, die das Leben streifen

GruppenbildDie Schifra-Netzwerkpartner haben für die Ausstellung „Kinder, die das Leben streifen“, ein anspruchsvolles Begleitprogramm zusammengestellt (von links): Isolde Prochnau und Adelheid Spöri (beide Beratungsstelle Grüner Turm), Christine Wienand und Elke Mayer (beide Katholische Schwangerschaftsberatung der Caritas), Marie-Luise Hildebrand (Seelsorge und Trauerbegleitung), Imelda Frick (Beratungs- und Frühförderzentrum MOBILE) sowie die beiden Hebammen Karin Prinz-Musch und Roswitha Schwaiger.Caritas

Der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft ist für die Eltern ein schwerer Schicksalsschlag. Nicht selten werden sie mit ihrer Trauer völlig allein gelassen. "Fehl- oder Totgeburten sind leider in unserer Gesellschaft eher noch ein Tabu-Thema", sagt Christine Wienand von der Katholischen Schwangerschaftsberatung der Caritas Bodensee-Oberschwaben. Viele Frauen schämen sich, fühlen sich schuldig, leiden unter ausgesprochenen oder auch nicht ausgesprochenen Schuldzuweisungen. Statt einer glücklichen Zukunft mit dem gemeinsamen Kind erleben die Eltern Leere und Schmerz. "In dieser Zeit erfahren die Frauen oft sehr viel Unverständnis und es bleibt wenig Raum für ihre Trauer", weiß die Hebamme Roswitha Schwaiger. Die Frauen werden medizinisch zwar bestens versorgt, müssen sich aber mit ihrem Verlust und ihrem Schmerz selbst auseinandersetzen. Doch die Trauer sollte nicht verdrängt werden. "Mut zu trauern heißt Mut zum Leben", erfährt Seelsorgerin und Trauerbegleiterin Marie-Luise Hildebrand oft in ihrer täglichen Arbeit.

Das Schifra-Netzwerk Schwangerschaft möchte dieser Trauer jetzt einen Raum geben und mit der vom 16. Februar bis 23. März im Heilig-Geist-Spital gezeigten Fotoausstellung "Kinder, die das Leben streifen" für die Thematik Fehl- und Totgeburt sensibilisieren. In dem Netzwerk Schifra haben sich Beratungsstellen, Hebammen, das Frühförderzentrum MOBILE sowie Seelsorge und Trauerbegleitung zusammengeschlossen. Vor sechs Jahren haben die Netzwerkpartnerinnen eine Abschiedsmappe mit dem Titel "… weiter in meinem Herzen" zusammengestellt. "Sie wird Frauen, die ihr Kind verloren haben, noch in den Kliniken überreicht", so Hebamme Karin Prinz-Musch. Die schön gestaltete Abschiedsmappe mit einem emotionalen Titelbild aus der Maltherapie der SINOVA Klinik Ravensburg zeigt Wege auf zu einer einfühlsamen Trauerbegleitung nach Fehlgeburt, Totgeburt und Schwangerschaftsabbruch aufgrund medizinischer Indikation. Außerdem gibt sie Literatur- sowie Internethinweise und informiert über Hilfeangebote für trauernde Eltern.

Nicht gelebte Trauer könne zu lang anhaltenden depressiven Verstimmungen oder schwerwiegenderen psychischen Erkrankungen führen, gibt Adelheid Spöri von der Beratungsstelle Grüner Turm in Ravensburg zu bedenken. Auch eine weitere Schwangerschaft und Geburt werde oft durch das vorherige Verlusterlebnis geprägt, weiß Imelda Frick von der Frühförderstelle MOBILE. Mit der Ausstellung im Heilig-Geist-Spital wollen die Netzwerkpartnerinnen das stille und häufig nicht wahrgenommene Thema eines frühen Kindsverlusts an die Öffentlichkeit bringen. Die gezeigten Bilder sind in der Zusammenarbeit von Caritas Schwangerschaftsberatung Biberach, betroffenen Frauen und dem Fotokreis der Volkshochschule Biberach entstanden. "Mit Fotos und Texten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven möchte die Ausstellung Menschen berühren und miteinander ins Gespräch bringen", so Christine Wienand.

Das Schifra-Netzwerk Schwangerschaft hat ein die Ausstellung begleitendes Programm zusammengestellt, in dem das Thema in ganz unterschiedlichen Facetten aufgegriffen und behandelt wird. So gibt es am 23. Februar eine Lesung mit Carsten Otte aus seinem Roman "Warum wir?", am 2. März wird der Film "Sternenkinder" gezeigt und am 9. März findet eine Trauerfortbildung für Hebammen, Pflegepersonal, Ärzte und Verwaltungsangestellte statt, in der nach dem Modell "Trauer erschließen" von Dr. Ruthmarijke Smeding Kompetenzen in der Begegnung und Begleitung trauernder Menschen gefördert werden. Ein maltherapeutisches Angebot zu Fehl- und Totgeburt am 16. März zeigt Wege auf, der Trauer und der Liebe Ausdruck zu verleihen, dem Abschied eine Form zu geben und so zu neuer Zuversicht zu finden. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet am 23. März ein meditativer Gottesdienst im Gedenken an die verstorbenen Kinder - mit musikalischer Gestaltung und Lichtinszenierung. Ohne die Unterstützung von vielen Sponsoren wäre dies alles nicht möglich gewesen. "Wir sind allen, die diese Ausstellung mit Begleitprogramm ermöglicht haben, sehr dankbar", so die Veranstalterinnen.

INFO: Das Programm

16. Februar: Vernissage - Begrüßung und Einführung in die Ausstellung "Kinder, die das Leben streifen - Fehl- und Totgeburt" mit musikalischer Umrahmung, 18 Uhr, Heilig-Geist-Spital Ravensburg

23. Februar: Lesung - Carsten Ott liest aus seinem Roman "Warum wir?", 20 Uhr, Buchhandlung RavensBuch, Ravensburg

2. März: Film "Sternenkinder", 18 Uhr, Kapelle im Heilig-Geist-Spital Ravensburg

9. März: Trauerfortbildung für Fachpersonal - Umgang mit Trauer, 14 bis 18 Uhr, Gruppenraum im Heilig-Geist-Spital Ravensburg

16. März: Maltherapeutisches Angebot, 17 Uhr, SINOVA Klinik Ravensburg

23. März: Von Liebe und Trauer - meditativer Gottesdienst, 18 Uhr, Kapelle im Heilig-Geist-Spital Ravensburg

Der Programm-Flyer liegt an öffentlichen Stellen aus. Das detaillierte Programm steht auch zum Download bereit.

Die Sponsoren: Bürgerstiftung Kreis Ravensburg, Lions Club Ravensburg, Soroptimist International - Club Ravensburg/Weingarten, Ladies‘ Circle Ravensburg, Inner Wheel Club  Ravensburg, Stadt Ravensburg, Patchwork, RavensBuch, Ravensburger AG, tws.

 

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Flyer zur Veranstaltungsreihe