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Suchthilfe

„Der Elefant im Wohnzimmer heiß Stigma“

Vortragsraum mit PublikumCaritas Bodensee-Oberschwaben

Die Suchthilfe der Caritas Bodensee-Oberschwaben veranstaltete auch anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Caritasverbandes am 10.10.2018 gemeinsam mit dem Selbsthilfeverband Kreuzbund ein Suchtforum, erneut zu einem aktuellen Thema: "Suchthilfe am Puls der Zeit -Was geht?-Wie geht´s?-Geht´s noch!?"

Die Veranstaltung fand im Gemeindezentrum Liebfrauen mit ca. 90 Teilnehmern aus verschiedenen sozialen Diensten und Institutionen statt. In vier Vorträgen wurden aktuelle , innovative und auch provokative Themen behandelt.

Rainer Willibald, Leiter des Fachbereiches Suchthilfe, der mit Heinz Tränkle, Sprecher der Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes im Landkreis Ravensburg die Moderation übernahm, betonte in seinen Eingangsworten, dass die Caritas Suchthilfe durch ihr breit aufgestelltes Angebot jährlich fast 2000 Menschen erreicht, die durch klientenzentrierte, an den Bedürfnissen des Individuums orientierte Beratungs- und Therapieangebote kompetent betreut und begleitet werden. Diese Angebote müssen aber laufend weiter entwickelt werden, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden.

Person mit MikrophonCaritas Bodensee-Oberschwaben

Der Regionalleiter der Caritas- Bodensee-Oberschwaben, Ewald Kohler sagte in seiner Ansprache, dass die Suchthilfe sich in einem rasanten Wandel befindet und die Caritas hier intensive Anstrengungen unternimmt, zeitgemäße und attraktive Angebote für die Menschen mit Suchtproblemen vorzuhalten.

Auch der Vertreter des Selbsthilfeverbandes Kreuzbund, Vorstand Roland Männer, betonte die Wichtigkeit und  Bedeutung der Selbsthilfegruppen, von denen es fast 40 im Landkreis Ravensburg gibt.

Der Soziologe  Prof. Harald Klingemann referierte über die Ergebnisse seiner Forschungen zum Thema  Selbstheilung. Diese sei bei Sucht durchaus  möglich und darüber hinaus nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das größte Problem für die Inanspruchnahme professioneller Hilfe liege nach wie vor am Stigma der Sucht, weshalb viel zu wenige das Hilfesystem in einem früheren Stadium  in Anspruch nähmen.

Prof. Dr. Sommerfeld betonte in seinem Vortrag insbesondere die Unverzichtbarkeit der Sozialen Arbeit in der Suchthilfe, i.S. von Veränderung suchtbegünstigender Lebenswelten. Die weitverbreitete Sicht, Sucht ausschließlich als medizinisches Problem zu definieren, sah er äußerst kritisch, da ein erfolgreicher Ausstieg aus einer Suchterkrankung immer mit Verbesserung der Lebensweltbedingungen einhergehen müsse, um von Dauer zu sein. Nur eine ganzheitliche, an den Bedürfnissen der Betroffenen orientierte Hilfe,  die über längere Phasen mit professioneller Sozialarbeit wertschätzend und begleitend Unterstützung anbietet, kann den Teufelskreis der Sucht überwinden.

Personen sitzen vor einem GebäudeCaritas Bodensee-Oberschwaben

Miriam Klein, Suchtreferentin des Caritasverbandes, berichtete über einen neuen Ansatz der "Zieloffenen Suchtarbeit" (ZOS), die in einer Haltung der Wertschätzung gegenüber Klienten nach Veränderungszielen sucht.

Christian Sauter, Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle Ravensburg berichtete über positive Erfahrungen mit dem bereits etablierten Angebot des Selbstkontrolltrainings (SKOLL).

In diesem Programm können Klienten Ziele selber abstecken und werden von erfahrenen Trainern begleitet und unterstützt. Neue Verhaltensweisen können einstudiert und erprobt werden.

Alle Vorträge können auf der Homepage der Caritas eingesehen werden, nähere Informationen zu SKOLL gibt es unter www.skoll.de